Ein typischer Abend im Rotlichtmilieu.

Jeder Abend, jeder unserer Einsätze auf den Straßen und in den Bordellen der Städte, in denen wir sind, ist unterschiedlich. Es entstehen ganz unterschiedliche Begegnungen und wundervolle Geschichten, wenn wir unsere Freundinnen besuchen.

Und doch ist der Ablauf meistens der selbe und davon wollen wir euch heute berichten.

Unsere „Einsätze“ bezeichnen die konkrete Arbeit im Bordell und am Straßenstrich. Hier geht es darum, zu den Frauen zu gehen und ihnen mit der Liebe und Wertschätzung zu begegnen, die ihnen von der Gesellschaft oft abgesprochen wird.

Wenn wir die Frauen im Laufhaus oder Bordell besuchen, haben wir immer kleine Präsente mit dabei (Kuchen, Kosmetika, Blumen), um ihnen zu zeigen, dass sie uns etwas wert sind und wir an sie gedacht haben. Die Einsätze sind die Basis unserer Arbeit. Durch diese kommen wir mit den Frauen in Kontakt und knüpfen Beziehungen zu ihnen.

Bevor wir zu den Frauen aufbrechen, treffen sich unsere Teams zu einer Vorbereitungsrunde, bei der die Taschen voll mit Make-Up und Büchern gepackt und der letzte Einsatz nach- und der jetzige Einsatz vorbesprochen werden. Außerdem werden die Süßigkeiten für das Personal hübsch verziert. Nach einem abschließendem Gebet brechen wir auf und fahren, radeln, spazieren gemeinsam an unsere jeweiligen Ziele. Im Bordell ist unser erster Anlaufpunkt immer das Personal - sie sind für uns genauso wichtig wie die Frauen und wir freuen uns auf die Begegnungen mit den Türstehern und Securities - auch sie kennen wir teilweise sehr gut und freuen uns, alte Bekannte wieder zu treffen.

Nach dem Hallo beim Personal gehen wir weiter in die Häuser und freuen uns auf die Frauen, die wir schon gut kennen und auf die, die wir heute Abend kennenlernen werden. Mit unseren Beuteln gehen wir durch die Häuser, stellen uns vor und verteilen unsere Geschenke an alle, die sie gerne möchten. Vom kurzen Smalltalk an der Zimmertür bis zum längeren Gespräch im Zimmer ist hier alles dabei und auch die Themen reichen buchstäblich von A wie Augenbrauenstifte bis Z wie zerrüttete Familienverhältnisse. Ob und wie lange das Gespräch dauert, entscheidet dabei die Frau alleine und auch worüber wir sprechen, richtet sich ganz nach den persönlichen Beziehungen und Bedürfnissen. Wir genießen jedes Gespräch - wir lachen miteinander und machen Blödsinn, manchmal geht es auch um ernstere Themen und wir weinen miteinander. An manchen Tagen kramen wir zusammen im Make-Up und machen “Typberatung”. Manchmal ist eine Umarmung dringend nötig und manchmal sehen wir uns auch lustige Videos auf Youtube miteinander an - eben was Freundinnen so miteinander machen. Bei solchen Gesprächen ist es leicht, auszublenden, wo man sich gerade befindet und doch wird es uns in manchen Momenten schlagartig bewusst: Wenn die Frauen erzählen, dass sie Schulden abarbeiten müssen oder jemand in der Familie sehr krank ist und sie deshalb hier ihr Geld verdienen müssen, wenn sie traurig sind, weil sie ihre Kinder vermissen oder über Weihnachten nicht nach Hause können, weil sie zu wenig Geld haben. Auch wenn wir nicht viel tun können, ist es schön, für sie da zu sein und sie hoffentlich ein wenig trösten zu können.

Nach dem Einsatz treffen wir uns in einer Kneipe in der Nähe und machen eine kurze Nachbesprechung. Was ist an diesem Abend passiert, wie war die Stimmung in den Häusern, was waren besondere Momente? Diese Gespräche im Team sind unglaublich wichtig, damit das Erlebte gut verarbeitet und verdaut werden kann.

Wenn du auch Lust hast, auf der Straße oder im Bordell aktiv zu werden und für die Frauen da zu sein, dann schreib uns.